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Wiesenmüller, Heidrun:

FRBR – was steckt dahinter und was könnte es bringen? Vortragsfolien vom 9. BSZ-Kolloquium am 25.9.2008, Hochschule der Medien, Stuttgart

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URL: http://swop.bsz-bw.de/volltexte/2008/325/
Institut: BSZ
Dokumentart: Vortragsfolien
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 07.11.2008
Kurze Inhaltszusammenfassung auf Deutsch Prof. Heidrun Wiesenmüller, HdM Stuttgart:
FRBR = Functional Requirements for Bibliographic Records
(Funktionale Anforderungen an bibliographische Datensätze)
ursprüngliche Fassung (1998): http://www.ifla.org/VII/s13/frbr/frbr.pdf
überarbeitete Fassung (2008): http://www.ifla.org/VII/s13/frbr/frbr_2008.pdf
deutsche Übersetzung (2008): http://www.d-nb.de/standardisierung/pdf/frbr_deutsch_08.pdf
Die FRBR sind ein theoretisches Referenzmodell, das in abstrakter Weise das ‘bibliographische Universum’ abbilden soll. Eingesetzt wird dafür eine vom Design relationaler Datenbanken her bekannte Methode, das sog. Entity-Relationship-Modell. Dabei werden nicht nur alle benötigten Objekte (Entitäten) mit jeweils bestimmten Merkmalen (Attributen) definiert, sondern auch Beziehungen, die zwischen den Entitäten bestehen.
Die FRBR stellen die Benutzer in den Mittelpunkt. Die Grundidee von FRBR-Katalogen ist es, gefundene Treffer sinnvoll zu gruppieren und die unterschiedlichen Beziehungen, die innerhalb der ‘bibliographischen
Familie’ herrschen, transparent zu machen.
Beispiel für eine (fiktive) FRBR-Kataloganzeige: http://www.frbr.org/eg/hp-goblet-1.html
Entitäten der Gruppe 1:
Das Herzstück der FRBR, sozusagen das Rückgrat des Systems, stellen die Entitäten der Gruppe 1 dar:
- Werk (work): eine intellektuelle bzw. künstlerische Schöpfung
- Expression (expression): die intellektuelle bzw. künstlerische Realisierung eines Werkes
- Manifestation (manifestation): die physische Verkörperung einer Expression
- Exemplar (item): ein einzelnes Stück einer Manifestation
Daraus lassen sich unterschiedlich komplexe ‘Werk- Bäume’ konstruieren. Beispiel (Ausschnitt):
Werk: FRBR
Expressionen, u.a.:
E1: englische Originalfassung (1998)
E2: überarbeitete englische Fassung (2008)
E3: deutsche Übersetzung der Originalfassung (2006)
E4: deutsche Übersetzung der überarbeiteten Fassung (2008)
Manifestationen der Expression E1:
M1a: Druckfassung, erschienen im Saur-Verlag
M1b: PDF-Version
Exemplare der Manifestation M1a, u.a.:
Ex1a*: Exemplar in Bibliothek XY
Exemplare der Manifestation M1b, u.a.:
Ex1b*: Datei auf dem IFLA-Server
Ex1b**: Kopie der Datei auf der lokalen Festplatte der Referentin etc.
Neue Expressionen entstehen vor allem bei einer Überarbeitung, bei einer Übersetzung sowie bei einer Aufführung (im weiteren Sinne), z.B. der Lesung eines geschriebenen Texts oder der Aufführung eines musikalischen
Werkes. Hingegen gelten Verfilmungen, Parodien u.ä. nicht als neue Expressionen, sondern als neue (verwandte) Werke. Neue Manifestationen entstehen bei Änderungen im Produktionsprozess, z.B. bei einem geänderten Layout (z.B. Schrifttyp, Schriftgrad), einem anderen Trägermedium (z.B. Mikrofiche statt Papier) oder einem Wechsel des Verlags.
Weitere Elemente im FRBR-System:
Zwischen den Entitäten der Gruppe 1 definieren die FRBR zahlreiche weitere Beziehungen, z.B. ‘hat Adaption / ist Adaption von’, ‘hat Teil / ist Teil von’, ‘hat Überarbeitung / ist Überarbeitung von’, ‘hat Nachfolger / ist Nachfolger von’, ‘hat Reproduktion / ist Reproduktion von’, ‘hat Beilage / ist Beilage von’.
Neben den Entitäten der Gruppe 1 gibt es noch zwei weitere Entitäten-Gruppen:
- Gruppe 2: repräsentiert verantwortliche Personen und Körperschaften auf allen Ebenen (als Schöpfer von Werken, Realisierer von Expressionen, Ersteller von Manifestationen, Besitzer von Exemplaren)
- Gruppe 3: repräsentiert alles, was als Thema eines Werkes vorkommen kann. Neben den Entitäten ‘Begriff’, ‘Gegenstand’, ‘Ereignis’ und ‘Ort’ sind auch alle Entitäten der Gruppen 1 und 2 zugleich Entitäten der Gruppe 3 (weil ein Werk z.B. auch von einem anderen Werk, von einer Person oder von einer Körperschaft handeln kann).
Nutzen von FRBR:
- Zusammenführen unter ‘ Werk’-Konzept: entspricht dem Denken der Nutzer und erhöht die Übersichtlichkeit von Trefferanzeigen.
- Erfassung z.T. nur auf ‘ Werk’-Ebene: bestimmte Informationen (z.B. Schöpfer) müssen nur auf der ‘Werk’-Ebene erfasst werden und werden nach unten ‘vererbt’. Dies ist besonders interessant für die Sacherschließung: Innerhalb eines Werk-Baumes genügt theoretisch eine einzige sachlich erschlossene Manifestation (diese kann für alle anderen Manifestationen übernommen werden).
- Schlüssige Lösung für ‘multiple versions’-Problem: Fälle, in denen es mehrere Versionen gibt (z.B. Original und Digitalisat; Aufsatz einmal in gedruckter Zeitschrift, einmal in e-journal, einmal als Preprint auf Open-Access-Server), können gut modelliert werden.
- Browsing im bibliographischen Universum: Nicht nur innerhalb der ‘Werk’-Bäume, sondern auch darüber hinausgehend könnten Benutzer navigieren (z.B. zu verwandten Werken oder zu Sekundärliteratur);
dies könnte durch eine graphische Oberfläche unterstützt und visualisiert werden.
‘FRBRisierung’ von Katalogen:
Bisher zwei Ansätze (beschränkt auf die Entitäten der Gruppe 1):
- real: tatsächliches Verankern der Ebenen in den Katalogdaten, z.B. möglich in Katalogisierungssystem Virtua der Firma VTLS (getrennte Datensätze für die verschiedenen Ebenen)
- virtuell: maschinelle Generierung der Ebenen aus den vorhandenen Katalogdaten und entsprechende Aufbereitung für die Anzeige, z.B. FictionFinder von OCLC (WorldCat-Ausschnitt):
URL: http://fictionfinder.oclc.org/
Dort wird allerdings auf die Ebene der Expression verzichtet; stattdessen lassen sich die Manifestationen nach unterschiedlichen Möglichkeiten sortieren bzw. einschränken.
Denkbarer dritter Weg (nicht nur für die Entitäten der Gruppe 1):
- Zwei-Schichten-Modell: Aufsetzen einer FRBR-Schicht auf die Katalogdaten
Aus den Katalogdaten (die unangetastet bleiben und nur von Bibliothekaren geändert werden können)
als Basis wird maschinell eine FRBR-Schicht an der Oberfläche generiert (durch Werk-Clustering und Auswertung der bereits vorhandenen Verknüpfungen, z.B. zu Personen und Körperschaften).
Die (zwangsläufig unvollkommene) maschinell erzeugten FRBR-Strukturen könnten von Bibliothekaren und Benutzern ergänzt und korrigiert werden; sie könnten außerdem auch Anknüpfungspunkte für Verlinkungen ins Web darstellen.

Die NBN mit Prüfziffer lautet: urn:nbn:de:bsz:576-opus-3259
Kontrollierte Schlagwörter (Deutsch): Functional Requirements for Bibliographic Records , Referenzmodell , Entity-Relationship-Datenmodell , Katalog , Entität
DDC-Sachgruppe: Bibliotheks- und Informationswissenschaft
Urheberrecht: Hinweis zum Urheberrecht